Öko-Perestroika: Wir über uns
Die Ende 2008 gegründete Umweltgruppe „ÖKO-Perestroika“ arbeitet mit mehreren Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen zusammen, darunter Ecodefense, Die Grüne Welt, „Wir retten Juntolowo“, Greenpeace, Memorial und Anarchisten. In unseren Reihen finden sich Experten zur Atomwirtschaft, Ökologie-Fachleute und Juristen.
Was wir brauchen ist eine echte Öko-Perestroika, d.h. weit
reichende Änderungen, vor Ort und global. Unser Verhältnis zur Natur, zur
Nutzung der Ressourcen und den anderen Menschen muss sich grundlegend ändern.
Nur ein anderer Lebensstil und ein neues Verhältnis zur Natur können zukünftige
Katastrophen verhindern. „Öko-Perestroika“ bedeutet für uns den Prozess einer
Ökologisierung der Gesellschaft. Dieser Prozess hat schon begonnen, jeder kann
sich in diesen Prozess einbringen.
Die Tschernobyl-Katastrophe kannte keine Grenzen, hat
niemanden geschont. Damals begriff die Welt, die sich dank geographischer
Entdeckungen immer mehr zu erweitern schien, dass es enger wurde. Symbol dieser
sich verengenden Welt wurde die Zone von Tschernobyl. 15 Gebiete Russlands,
zahlreiche weitere Gebiete weltweit sind durch die Tschernobyl-Katastrophe
schwer geschädigt. Wer weiterhin in diesen Gebieten lebt, gefährdet sich und
seine Gesundheit. Doch die Menschen haben in der Regel nicht die Möglichkeit, diese
verstrahlten Gebiete zu verlassen.
In der Folge des Klimawandels werden mehrere Gebiete für den Menschen nicht
mehr bewohnbar sein. All diesen Herausforderungen können wir nur gemeinsam
entgegentreten, weltweit.
Zahlreiche Berechnungen gehen davon aus, dass die
Erdölförderung Anfang dieses Jahrhunderts ihren Höhepunkt bereits erreicht hat.
Trotz weiterer technischer Fortschritte wird die Erdölförderung nie mehr diesen
Stand erreichen – die Begrenztheit der Ölressourcen wird mehr und mehr spürbar.
Früher oder später werden wir an einem Punkt angelangt sein, wo viele neuen Entdeckungen
nutzlos sein werden, da die für die Umsetzung erforderlichen Rohstoffe
vollständig ausgebeutet sind.
Wir brauchen heute andere, ökologische Formen der Energiegewinnung,
die die Energiegewinnung mit Atom und fossilen Brennstoffen ersetzen. Die
Verschwendung der Ressourcen unseres Planeten muss ein Ende haben. Wir müssen
nun darüber nachdenken, wie wir diese Ressourcen bewahren können.
Die Gefahr von Rohstoffkriegen und Kriegen um das begehrte Trinkwasser wird in
diesem Jahrhundert eine ernsthafte Herausforderung werden. Und diese Kriege werden
die Lebensbedingungen weiter verschlechtern, zu Umweltkatastrophen führen. In
der Folge wird der Kampf um die Ressourcen weiter zunehmen. Um diesem
Teufelskreis zu entgehen, muss die Gesellschaft auf Kriege und die Androhung
von Gewalt verzichten. „ÖKO-Perestroika“ spricht sich gegen Krieg aus, lehnt
die Militarisierung der Gesellschaft ab und setzt sich für die Vernichtung der
Atomwaffen ein.
Eines der Hauptprobleme der Nutzung der Atomenergie ist die nicht geklärte Frage der Entsorgung von Atommüll. In der gesamten Geschichte der Atomenergie ist es nicht gelungen, diese Frage zu lösen. Die Aufbreitung von Atommüll ist ein sehr schmutziger, gefährlicher und durch nichts zu rechtfertigender Teil des Atomkreislaufes. Und es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der sog. „friedlichen“ Atomenergie und der Produktion von Atombomben. Die Gewinnung und Anreicherung von Uran, der Betrieb von Atomkraftwerken und der Transport von Atommüll setzen die Bevölkerung einem besonderen Risiko aus.
Wir sehen die persönliche Verantwortung
jedes Menschen: unsere Bedürfnisse heute sind so zahlreich, dass die
vorhandenen Ressourcen nicht ausreichen, um all diese Bedürfnisse zu befriedigen.
Jeder Mensch muss wissen, dass das Schicksal unseres Planeten und aller seiner
Lebewesen von ihm abhängt. Nur wir, die wir auf dieser Erde leben, können das
Schicksal der Erde in die Hand nehmen.
Gewalt gegen Tiere lehnen wir ab. Tiere
haben genauso wie Menschen Rechte. Das Recht auf Leben, das Recht, vor Leid
geschützt zu werden, das Recht auf Freiheit und das Recht auf ihren Lebensraum
in der Natur.
Wir treten dafür ein, dass die Umweltprobleme und andere die
ganze Gesellschaft angehenden Fragen auch von der Gesellschaft diskutiert und
gelöst werden. Wir begrüßen gesellschaftliche Aktivitäten, wie wir sie für
kurze Zeit Ende der 80erJahre erleben durften. Wir treten ein für Biodiversität,
Ideenvielfalt, die Verschiedenartigkeit menschlichen Handelns. Wir wollen nicht
zulassen, dass eine Art andere Arten vernichtet, wir lehnen einheitliches
Denken ab. In Russland gibt es mehrere sog. „Monostädte“. In diesen Städten hängt die
Bevölkerung wirtschaftlich von nur einem einzigen Unternehmen ab. Hierbei handelt
es sich oft um eine alte und gefährliche Fabrikanlage. Dieser Zustand ist nicht
tragbar, die Produktion in diesen Städten muss diversifiziert werden.
Wir treten für die Einhaltung der ökologischen Rechte der Menschen – das Recht auf eine saubere Umwelt, wie sie von Gesetzen und internationalen Konventionen garantiert wird – ein.
Die Gruppe „ÖKO-Perestroika“ sieht sich als Teil einer Kraft, die ein neues
Denken anstrebt, das Bewusstsein ökologisieren will.
Kontakt:
Raschid Alimow. Umweltaktivist, langjähriger Redakteur der Homepage der Seite „Bellona.ru“, wo er lange für die aktuellen Nachrichten verantwortlich zeichnete. Raschid Alimow arbeitete ebenfalls als Redakteur des Journals von „Ökologie und Recht“, er ist Herausgeber des Buches „Tschеrnobyl: die Folgen der Katastrophe für Mensch und Natur“ (SPb: Nauka, 2007); Redakteur der Broschüre „Wie das Recht auf saubere Umwelt verteidigen?“ (SPb, 2007), Preisträger des Journalistenwettbewerbes „Ökologie in Russland – 2002“: von Jahrhundert zu Jahrhundert“, Mitglied der Assoziation der Umweltjournalisten von Sankt Petersburg. Seit 2006 kämpft er aktiv gegen den Transport von westeuropäischem Atommüll nach St. Petersburg.
+7 921 995 61 18
Wera Ponomarewa ist Aktivistin der Umweltgruppe „Wir retten Juntolowo“. Sie hat sich auf die Rolle von internationalen Bankinstituten und deren Entscheidungsfindungsprozesse spezialisiert. Eine von mehreren Autoren des internationalen Berichtes „Never mind the balance sheet - the dangers posed by public-private partnerships in Central and Eastern Europe“ (2008), der Broschüre „Schutz der Rechte und Interessen der Bürger bei der Umsetzung von Straßenbauprojekten in Sankt-Petersburg. Ein Leitfaden für Aktivisten“ (2008).
+7 921 772 70 42
Olga Kriwonos, Juristin, hat sich auf Umweltrecht spezialisiert. Die Anwältin vertrat Bürger von St. Petersburg, die gegen Bauprojekte kämpften. Als ein Umweltgutachten erstellt werden sollte, kämpfte sie für öffentliche Anhörungen, forderte Offenheit beim Umgang mit ökologisch sensiblen Informationen. Häufig vertritt sie Umweltaktivisten vor Gericht. Sie ist Autorin der Broschüre „Grüne Rechte“, und Ko-Autorin der Broschüre „Die Energie der Zukunft“.
Christian Rinkewitsch organisiert seit 2005 Wiederaufforstungsaktionen im Rayon Kirow (Gebiet Leningrad). 2008 war er einer der Initiatoren der Kampagne gegen den Bau des Ewenkischen Wasserkraftwerkes in Sibirien, einem für die Umwelt fatalen Projekt. In Zusammenarbeit mit dem St. Petersburger Büro von Greenpeace Russland hatte er an der Planung von mehreren besonders zu schützenden Naturgebieten des Gebietes Leningrad mitgewirkt, war maßgeblich an der Einführung von Mülltrennung in St. Petersburg beteiligt.
kris@ecoperestroika.ru